guideGehalt als Augenarzt in Deutschland
Angestellte Augenärztinnen und Augenärzte werden nach den Tarifverträgen des Marburger Bundes vergütet, die nach Entgeltgruppen Ä1 bis Ä4 gestaffelt sind. Dieser Leitfaden zeigt belegte Brutto-Monatswerte für Assistenz-, Fach- und Oberarzt sowie eine Einordnung zu niedergelassenen Praxen.
Wie sich das Gehalt bestimmt
Das Gehalt angestellter Klinikärztinnen und Klinikärzte richtet sich nach Flächentarifverträgen, die der Marburger Bund ausgehandelt hat. Diese Tarifverträge sind nicht fachspezifisch. Eine Augenärztin in der Entgeltgruppe Ä2 verdient nach Tarif dasselbe wie ein Internist gleicher Gruppe und Stufe. Die Einstufung richtet sich nach Qualifikation und Funktion, nicht nach Fachgebiet. Die folgenden Werte gelten daher für angestellte Augenärztinnen und Augenärzte genauso wie für andere Klinikärzte.
Die wichtigsten Entgeltgruppen sind Ä1 (Arzt in Weiterbildung), Ä2 (Facharzt), Ä3 (Oberarzt) und Ä4 (leitender Oberarzt). Innerhalb der Gruppen steigt das Gehalt mit den Berufsjahren über mehrere Stufen.
Kommunale Krankenhäuser (TV-Ärzte/VKA)
Für kommunale Häuser gilt der TV-Ärzte/VKA. Die folgenden Brutto-Monatswerte beziehen sich auf die Tabelle mit Stand 01.08.2025 bis 31.05.2026 (Quelle: oeffentlicher-dienst.info, aufbereitet aus dem Tarifvertrag des Marburger Bundes):
- Ä1 (Arzt in Weiterbildung): von rund 6.732 Euro in Stufe 1 bis rund 8.653 Euro in Stufe 6
- Ä2 (Facharzt): von rund 8.885 Euro bis rund 11.410 Euro
- Ä3 (Oberarzt): von rund 11.129 Euro bis rund 12.719 Euro
- Ä4 (leitender Oberarzt): von rund 13.091 Euro bis rund 14.027 Euro
Die Stufen sind an Berufsjahre gekoppelt. Bei Ä1 erfolgt der Aufstieg jährlich, sodass Stufe 1 dem ersten und Stufe 6 dem sechsten Weiterbildungsjahr entspricht. Bei Ä2 beginnt Stufe 1 nach drei Jahren Facharzttätigkeit, der weitere Aufstieg erfolgt langsamer.
Universitätskliniken (TV-Ärzte/TdL)
An Universitätskliniken gilt der TV-Ärzte/TdL. Die Werte liegen praktisch auf VKA-Niveau, in den unteren Stufen geringfügig höher. Stand der herangezogenen Tabelle ist der 01.02.2025 (nach Erhöhungen von 4 Prozent zum 01.04.2024 und 6 Prozent zum 01.02.2025):
- Ä1: von rund 6.752 Euro bis rund 8.668 Euro
- Ä2: von rund 8.912 Euro bis rund 11.163 Euro
- Ä3 (Oberarzt): rund 11.163 bis 12.757 Euro in den besetzten Stufen
- Ä4 (leitender Oberarzt): rund 13.131 bis 14.817 Euro in den besetzten Stufen
Zum 1. Januar 2026 sinkt an den Universitätskliniken die Regelarbeitszeit von 42 auf 40 Wochenstunden bei vollem Lohnausgleich, was den effektiven Stundenlohn erhöht. Zu beachten ist, dass alle genannten Werte Grundgehälter ohne Bereitschaftsdienste, Zulagen und Zuschläge sind. Diese können das tatsächliche Bruttoeinkommen spürbar erhöhen.
Für private Klinikketten wie Helios oder Asklepios liegen keine belastbaren öffentlichen Entgelttabellen vor. Dort gelten teils Haustarife oder eigene Konzerntarifverträge, weshalb hier keine konkreten Eurowerte ausgewiesen werden.
Wie das Brutto über die Stufen wächst
Für die persönliche Planung lohnt der Blick auf die Stufensystematik. In der Gruppe Ä1 erfolgt der Aufstieg jährlich, sodass das Grundgehalt mit jedem Weiterbildungsjahr steigt. Wer also nach VKA-Tabelle im ersten Jahr bei rund 6.732 Euro startet, erreicht im sechsten Weiterbildungsjahr rund 8.653 Euro. Mit dem Facharzt erfolgt der Wechsel in Ä2, wo Stufe 1 nach drei Jahren Facharzttätigkeit beginnt und der weitere Aufstieg über die Stufen 2 bis 5 deutlich langsamer verläuft. In Ä3 (Oberarzt) und Ä4 (leitender Oberarzt) gibt es jeweils nur wenige Stufen, hier wirken sich Zulagen und individuelle Vereinbarungen stärker aus als die reine Stufenmechanik.
Neben dem Grundgehalt entstehen relevante Einkommensbestandteile durch Bereitschaftsdienste, Rufbereitschaft, Nacht-, Sonn- und Feiertagszuschläge sowie eventuelle Funktionszulagen. Da diese stark von Dienstplan und Haus abhängen, lassen sich keine pauschalen Eurobeträge belegen. Wer Angebote vergleicht, sollte daher nicht nur das Grundgehalt, sondern auch das erwartete Dienstaufkommen und die Zuschlagsregeln betrachten.
Chefarzt
Chefarztgehälter sind außertariflich und individuell verhandelt, der TV-Ärzte gilt nicht. Als grobe Orientierung nennen Sekundärquellen, die sich auf den Kienbaum-Vergütungsreport beziehen, einen Durchschnitt im Bereich von etwa 300.000 Euro brutto im Jahr bei einer sehr breiten Spanne. Diese Angabe ist als Schätzung zu verstehen und nicht fachspezifisch für die Augenheilkunde belegbar.
Angestellt oder niedergelassen
Niedergelassene Augenärztinnen und Augenärzte zählen zu den ertragsstärksten Facharztgruppen. Nach Auswertungen der Kostenstrukturstatistik des Statistischen Bundesamtes erzielten Augenärzte 2019 einen überdurchschnittlichen Reinertrag von rund 346.000 Euro je Praxisinhaber, einer der höchsten Werte aller Fachgruppen.
Wichtig ist die saubere Einordnung dieser Kennzahl. Der Reinertrag ist das Ergebnis der gesamten Praxis vor Steuern und vor der Alters-, Kranken- und Invaliditätsvorsorge der Inhaber. Bei Gemeinschaftspraxen verteilt er sich auf mehrere Inhaber. Über alle Arztpraxen hinweg meldet das Statistische Bundesamt für 2023 einen durchschnittlichen Reinertrag von 310.000 Euro je Praxis bei einem Median von 219.000 Euro. Der Reinertrag ist also kein mit dem Angestelltengehalt vergleichbares Nettoeinkommen, denn er enthält das unternehmerische Risiko, Praxiskosten, Finanzierung und die eigene Vorsorge. Niedergelassene liegen damit ertragsseitig in der Regel über dem angestellten Oberarztniveau, tragen aber zugleich erhebliche Kosten und Risiken.
Quellen
- oeffentlicher-dienst.info, Entgelttabelle TV-Ärzte VKA — Brutto-Monatswerte Ä1 bis Ä4, Stand 01.08.2025 bis 31.05.2026
- oeffentlicher-dienst.info, Entgelttabelle TV-Ärzte Unikliniken (TdL) — Brutto-Monatswerte, Stand ab 01.02.2025
- Marburger Bund, Tarifverträge — Primärquelle TV-Ärzte/VKA und TV-Ärzte/TdL
- Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung Arztpraxen 2023 — Reinertrag je Praxis, Median 219.000 Euro
- GKV, Auswertung Kostenstrukturstatistik — Reinertrag Augenärzte rund 346.000 Euro, Stand 2019
Häufige Fragen
Was verdient ein Assistenzarzt in der Augenheilkunde?
Nach dem TV-Ärzte/VKA (Stand 08/2025) liegt die Entgeltgruppe Ä1 brutto zwischen rund 6.732 Euro im ersten und rund 8.653 Euro im sechsten Weiterbildungsjahr, jeweils ohne Bereitschaftsdienste und Zulagen.
Wie hoch ist das Oberarztgehalt?
Oberärzte werden in Ä3 eingruppiert. Nach TV-Ärzte/VKA (Stand 08/2025) liegt das Grundgehalt brutto zwischen rund 11.129 und 12.719 Euro im Monat, abhängig von der Stufe.
Verdienen niedergelassene Augenärzte mehr als angestellte?
Ertragsseitig liegen Niederlassungen oft über dem angestellten Oberarztniveau. Augenärzte erzielten 2019 einen Reinertrag von rund 346.000 Euro je Praxisinhaber. Der Reinertrag ist jedoch kein Nettoeinkommen, da Kosten, Vorsorge und unternehmerisches Risiko abgehen.
Gibt es Unterschiede zwischen Uniklinik und kommunalem Haus?
Die Tarifwerte des TV-Ärzte/TdL (Universitätskliniken) liegen praktisch auf dem Niveau des TV-Ärzte/VKA (kommunale Häuser), in den unteren Stufen geringfügig höher. Zum 1. Januar 2026 sinkt an Unikliniken zudem die Wochenarbeitszeit auf 40 Stunden bei vollem Lohnausgleich.
Was verdient ein Chefarzt in der Augenheilkunde?
Chefarztgehälter sind außertariflich und individuell verhandelt. Sekundärquellen nennen als grobe Orientierung einen Durchschnitt um 300.000 Euro brutto im Jahr bei sehr breiter Spanne. Ein fachspezifischer Augenarzt-Wert ist nicht belastbar belegbar.