Weiterbildung zum Facharzt für Augenheilkundeguide

Weiterbildung zum Facharzt für Augenheilkunde

Die Facharzt-Weiterbildung Augenheilkunde dauert nach der Muster-Weiterbildungsordnung 60 Monate und ist kompetenzbasiert aufgebaut. Dieser Leitfaden erklärt Struktur, Richtzahlen, eLogbuch, Facharztprüfung sowie die Rolle von DOG und BVA.

Dauer und Rahmen

Die Weiterbildung zur Fachärztin oder zum Facharzt für Augenheilkunde umfasst nach der Muster-Weiterbildungsordnung (MWBO) der Bundesärztekammer eine Weiterbildungszeit von 60 Monaten, also fünf Jahren. Die Weiterbildung erfolgt unter Befugnis an anerkannten Weiterbildungsstätten. Diese Regeldauer bestätigen auch die Weiterbildungsordnungen der Landesärztekammern, etwa die Ärztekammer Westfalen-Lippe und die Ärztekammer Nordrhein.

Rechtlich verbindlich ist immer die Weiterbildungsordnung der jeweiligen Landesärztekammer, in deren Bereich Sie tätig sind. Die MWBO ist die bundesweite Vorlage, an der sich die Landeskammern orientieren, weshalb Inhalte und Richtzahlen weitgehend übereinstimmen, im Detail aber abweichen können.

Aufbau und Inhalte

Der Augenheilkunde-Abschnitt der MWBO 2018 ist kompetenzbasiert gegliedert. Die Gebietsdefinition umfasst Vorbeugung, Erkennung, Behandlung, Nachsorge und Rehabilitation der anatomischen und funktionellen Veränderungen des Sehorgans und seiner Adnexe einschließlich der Optometrie und der plastisch-rekonstruktiven Operationen in der Periorbitalregion.

Die Inhalte sind in zwei Kompetenzsäulen organisiert, nämlich kognitive und Methodenkompetenz (Kenntnisse) sowie Handlungskompetenz (Erfahrungen und Fertigkeiten). Letztere wird mit Richtzahlen hinterlegt. Inhaltlich gliedert sich die Weiterbildung unter anderem in folgende Blöcke: Notfälle, Lider, Tränenwege und Orbita, Bindehaut, Hornhaut und Sklera, Uvea, Retina und Glaskörper, Strabologische, kinder- und neuro-ophthalmologische Erkrankungen, Tumorerkrankungen, Glaukomerkrankungen, Linse und refraktive Chirurgie, diagnostische Verfahren, Optometrie sowie Ophthalmopathologie.

Richtzahlen und Katalog

Richtzahlen geben an, wie oft eine Maßnahme im Verlauf der Weiterbildung dokumentiert werden soll. Sie sind Orientierungswerte für den Kompetenzerwerb. Aus der MWBO 2018 lassen sich unter anderem folgende Richtzahlen belegen:

  • Operative Eingriffe an Lidern, Tränenwegen und Orbita: 50
  • Einfache chirurgische Eingriffe an Bindehaut und Hornhaut: 50
  • Laserchirurgische Eingriffe an der Retina: 50
  • Intravitreale operative Medikamenteneinbringungen (IVOM): 25
  • Operative Eingriffe bei Glaukom: 25
  • Chirurgische Eingriffe an geraden Augenmuskeln: 10
  • Optische Kohärenztomographie und/oder Papillentomographie: 300
  • Bestimmung und Brillenkorrektur von Refraktionsfehlern: 250
  • Funktionsuntersuchungen des Sehvermögens: 300
  • Untersuchungen der gesamten Netzhaut bei Diabetes mellitus: 150
  • Gonioskopie: 100
  • Sonographische Untersuchungen des Auges und seiner Adnexe: 100

Wichtig zur Einordnung: Für Kataraktoperationen und andere intraokulare Eingriffe an der Linse sieht die MWBO 2018 keine numerische Richtzahl als Operateur vor. Diese sind in der Ordnung als erste Assistenz bei Eingriffen an der Linse und bei refraktiv-chirurgischen Maßnahmen beschrieben, ebenso wie die erste Assistenz bei Keratoplastik, Vitrektomie und Trabekulektomie. Eine konkrete Mindestzahl eigenständig durchgeführter Katarakt-OPs lässt sich aus der MWBO 2018 also nicht ableiten. In der Praxis ist eigenständige operative Erfahrung dennoch ein zentrales Karrierethema, sie wird aber nicht über eine MWBO-Richtzahl gesteuert.

Logbuch und eLogbuch

Die Dokumentation der Weiterbildung erfolgt über das Logbuch. Das elektronische eLogbuch der Bundesärztekammer ist am 1. Juli 2020 gestartet und bildet die kompetenzbasierte Weiterbildung nach dem Beschluss des 121. Deutschen Ärztetags 2018 ab. Weiterzubildende dokumentieren laufend ihre Inhalte, die Weiterbildungsbefugten bestätigen den Kompetenzerwerb, prüfen die erreichten Richtzahlen und halten Weiterbildungsgespräche fest. Die Registrierung läuft ausschließlich über das Mitgliederportal der jeweiligen Landesärztekammer. Das vollständig ausgefüllte Logbuch beziehungsweise die Freigabe des eLogbuchs an die Kammer ist Voraussetzung für die Zulassung zur Facharztprüfung.

Facharztprüfung

Die Weiterbildung endet mit einer mündlichen Facharztprüfung vor einem Prüfungsausschuss der Landesärztekammer. Nach den Angaben der Ärztekammer Berlin gehören dem Ausschuss ein Prüfungsvorsitzender sowie zwei Prüfer an, die Prüfung dauert mindestens 30 Minuten. Für die Zulassung sind unter anderem die Weiterbildungszeugnisse im Original und das vollständige Logbuch beziehungsweise die eLogbuch-Freigabe einzureichen. Format und Detailanforderungen können je Landesärztekammer leicht variieren, die mündliche Prüfung vor dem Prüfungsausschuss ist jedoch bundesweit Standard.

Rolle von DOG und BVA

Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) ist die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft des Fachs, 1857 gegründet und damit die älteste augenärztliche Gesellschaft weltweit. Sie bietet den zweijährigen Ophthalmologischen Grundlagenkurs für Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung an und empfiehlt für eine fundierte Weiterbildung eine klinische Pflichtzeit von mindestens 24 Monaten an Augenkliniken. Seit 2024 besteht gemeinsam mit dem BVA ein Fellowship-Programm zur Subspezialisierung.

Der Berufsverband der Augenärztinnen und Augenärzte Deutschlands (BVA) ist der berufspolitische Interessenverband, gegründet 1950. Er bietet weiterbildungsbegleitende Angebote wie den Refraktionskurs (Schober-Kurs), das BVA-Facharzt-Repetitorium zur Prüfungsvorbereitung im vierten und fünften Weiterbildungsjahr sowie das BVA-Starterpaket für Weiterbildungsassistenten.

Quellen

Häufige Fragen

Wie lange dauert die Weiterbildung zum Augenarzt?

Nach der Muster-Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer beträgt die Weiterbildungszeit 60 Monate, also fünf Jahre, abzuleisten unter Befugnis an anerkannten Weiterbildungsstätten.

Gibt es eine Mindestzahl an Katarakt-Operationen?

Die MWBO 2018 sieht für Kataraktoperationen keine numerische Richtzahl als Operateur vor. Sie werden als erste Assistenz beschrieben. Richtzahlen gibt es dagegen etwa für Lid-, Glaukom- und Netzhaut-Lasereingriffe.

Was ist das eLogbuch?

Das eLogbuch ist die elektronische Dokumentation der Bundesärztekammer, gestartet am 1. Juli 2020. Darin werden Kenntnisse, Fertigkeiten und erreichte Richtzahlen festgehalten und von den Weiterbildungsbefugten bestätigt. Die Registrierung läuft über die jeweilige Landesärztekammer.

Wie läuft die Facharztprüfung ab?

Die Prüfung ist mündlich und findet vor einem Prüfungsausschuss der Landesärztekammer statt. Laut Ärztekammer Berlin besteht dieser aus einem Vorsitzenden und zwei Prüfern, die Prüfung dauert mindestens 30 Minuten.

Welche Rolle spielen DOG und BVA in der Weiterbildung?

Die DOG ist die wissenschaftliche Fachgesellschaft und bietet unter anderem den Ophthalmologischen Grundlagenkurs an. Der BVA ist der Berufsverband und stellt Angebote wie den Schober-Kurs und das Facharzt-Repetitorium bereit.