Anti-VEGF im Wandel: Faricimab, Aflibercept 8 mg und das Implantat-Depot
Die IVOM-Therapie der neovaskulären AMD und des diabetischen Makulaödems entwickelt sich rasch in Richtung längerer Behandlungsintervalle. Zweitgenerations-Wirkstoffe und ein nachfüllbares Implantat sollen die Injektionslast senken.
Längere Intervalle als gemeinsames Ziel
Die intravitreale operative Medikamentengabe (IVOM) ist seit Jahren das Rückgrat der Therapie neovaskulärer Netzhauterkrankungen. Der zentrale Engpass bleibt die Behandlungslast: häufige Injektionen belasten Patientinnen, Patienten und Versorgungsstrukturen gleichermaßen. Die jüngsten Entwicklungen zielen daher konsequent auf eine Verlängerung der Wiederbehandlungsintervalle.
Bispezifisch und hochdosiert
Faricimab ist ein bispezifischer Antikörper, der sowohl VEGF-A als auch Angiopoietin-2 (Ang-2) hemmt und damit zwei Signalwege der pathologischen Gefäßneubildung adressiert. Parallel steht mit Aflibercept 8 mg eine vierfach höhere molare Dosis zur Verfügung, die alle VEGF-A-Isoformen sowie den plazentaren Wachstumsfaktor (PlGF) blockiert.
Real-Life- und Studiendaten deuten darauf hin, dass sich mit dem Wechsel auf Aflibercept 8 mg die Intervalle spürbar strecken lassen: In einer ausgewerteten Kohorte erreichten rund 70 Prozent der Augen nach Umstellung von Aflibercept 2 mg auf 8 mg Intervalle von acht Wochen oder mehr. Die genauen Zahlen variieren je nach Vortherapie und Studiendesign und sollten im Einzelfall geprüft werden.
Biosimilars erweitern die Auswahl
Für die Wirkstoffe Ranibizumab und Aflibercept sind inzwischen Biosimilars neben den Originalpräparaten verfügbar. Seit Juni 2025 ist zudem Bevacizumab gamma als erstes ophthalmologisch zugelassenes Bevacizumab erhältlich. Damit verbreitert sich das therapeutische und ökonomische Spektrum.
Das Depot im Auge
Einen anderen Weg geht ein nachfüllbares Augenimplantat mit hochkonzentriertem Ranibizumab. Es wird in einem einmaligen Eingriff eingesetzt und gibt den Wirkstoff über Monate kontinuierlich ab. In der Archway-Studie benötigte die Implantat-Gruppe über zwei Jahre vier Nachfüllungen, während die Vergleichsgruppe im Mittel 23 Injektionen erhielt; rund 95 Prozent der Implantat-Patienten kamen ohne zusätzliche Injektionen aus. In den USA ist das System seit 2021 zugelassen; eine EMA-Entscheidung für die EU wird für Anfang des dritten Quartals 2026 erwartet.
Einordnung
Für die Praxis bedeutet das eine zunehmend individualisierte Therapieplanung: Wirkstoffwahl, Dosis und Applikationsform werden stärker am Ansprechen und an der Belastbarkeit der einzelnen Patientin ausgerichtet.