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KI-gestützte Glaukomdiagnostik: Zertifizierte Systeme und Abrechnungswege für die deutsche Augenarztpraxis

Redaktion5 Min. Lesezeit

Künstliche Intelligenz hält zunehmend Einzug in die Glaukomdiagnostik und verspricht eine objektivere, schnellere Befundauswertung. Dieser Entwurf gibt einen Überblick über aktuell in Deutschland verfügbare, zertifizierte KI-Systeme und erläutert die wesentlichen Abrechnungsgrundlagen. Augenärztinnen und Augenärzte erhalten so eine praxisnahe Orientierung für die Integration dieser Technologien in ihren Alltag.

KI-gestützte Glaukomdiagnostik: Zertifizierte Systeme und Abrechnungswege für die deutsche Augenarztpraxis

Warum KI in der Glaukomdiagnostik relevant wird

Glaukom gehört weltweit zu den häufigsten Ursachen vermeidbarer Erblindung. Die Früherkennung hängt maßgeblich von der korrekten Interpretation von Gesichtsfelduntersuchungen, OCT-Aufnahmen des Sehnervs und der retinalen Nervenfaserschicht sowie Fundusfotografien ab. Genau hier setzen KI-basierte Analysesysteme an: Sie werten große Bilddatensätze aus, erkennen strukturelle Veränderungen und unterstützen die Differenzierung zwischen physiologischen Normvarianten und pathologischen Befunden. Studien aus dem internationalen Umfeld zeigen, dass gut trainierte Algorithmen dabei Sensitivität und Spezifität erreichen können, die mit erfahrenen Fachärztinnen und Fachärzten vergleichbar sind. Für den Praxisalltag bedeutet das: KI kann als Screening- und Entscheidungsunterstützung dienen, ersetzt jedoch nicht das ärztliche Urteil.

Zertifizierung und regulatorischer Rahmen in Deutschland

In der Europäischen Union müssen KI-basierte Medizinprodukte zur Bildauswertung in der Regel als Medizinprodukt der Klasse IIa oder höher klassifiziert und mit einem CE-Kennzeichen versehen sein. Ab dem vollständigen Geltungsbeginn der EU-Medizinprodukteverordnung (MDR, Verordnung 2017/745) gelten verschärfte Anforderungen an klinische Nachweise und die technische Dokumentation. Augenärztinnen und Augenärzte sollten vor der Anschaffung prüfen, ob ein System eine gültige CE-Zertifizierung nach MDR besitzt und ob der Hersteller eine sogenannte Konformitätserklärung sowie einen Summary of Safety and Performance (SSCP) im EUDAMED-Register veröffentlicht hat. Einige Systeme, die OCT-Rohdaten aus gängigen Geräten importieren und automatisiert auswerten, sind bereits auf dem deutschen Markt verfügbar. Die Redaktion empfiehlt, die aktuellen Einträge im EUDAMED-Register und Herstellerangaben direkt zu prüfen, da sich das Marktsegment dynamisch entwickelt.

Integration in den Praxisworkflow

Die technische Integration erfolgt typischerweise über standardisierte Schnittstellen wie DICOM oder HL7 FHIR, über die KI-Module an vorhandene OCT-Geräte oder Praxisverwaltungssysteme angebunden werden. Entscheidend ist, dass der Befundbericht des KI-Systems in der Patientenakte dokumentiert und die abschließende Beurteilung durch die Ärztin oder den Arzt klar kenntlich gemacht wird. Datenschutzrechtlich sind die Anforderungen der DSGVO sowie des Bundesdatenschutzgesetzes einzuhalten. Eine Verarbeitung in der Cloud setzt in der Regel einen Auftragsverarbeitungsvertrag mit dem Anbieter voraus.

Abrechnung: GKV und Privatpatienten

Für gesetzlich versicherte Patientinnen und Patienten existiert derzeit keine eigenständige EBM-Ziffer, die KI-basierte Bildauswertung explizit vergütet. Die Leistung kann jedoch im Rahmen der ohnehin abrechenbaren diagnostischen Ziffern, etwa für OCT oder Gesichtsfeldmessung, erbracht werden, sofern die KI als Hilfsmittel der Befundauswertung eingesetzt wird. Ob und wann der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) eine eigenständige Bewertung vornimmt, ist zum Redaktionsstand noch offen. Im privatärztlichen Bereich bietet die GOÄ mehr Spielraum: Analoge Bewertungen nach GOÄ analog sowie der Steigerungsfaktor können mit der Patientin oder dem Patienten transparent vereinbart werden. Eine sorgfältige Dokumentation des Mehraufwands ist dabei unerlässlich. Praxen sollten zudem prüfen, ob Selektivverträge mit einzelnen Krankenkassen KI-gestützte Diagnostik bereits gezielt fördern.

Fazit für die Praxis

KI-gestützte Glaukomdiagnostik bietet echtes Potenzial für eine verbesserte Befundqualität und Effizienz. Voraussetzung sind zertifizierte Systeme, eine rechtssichere Integration und ein klares Abrechnungskonzept. Die Dynamik im Bereich Regulierung und Vergütung erfordert, dass Praxen die Entwicklungen bei G-BA, KBV und den Fachgesellschaften engmaschig verfolgen.

Quellen

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