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Rotlichttherapie zur Myopiekontrolle: Was neue Sicherheitsdaten bedeuten

Redaktion4 Min. Lesezeit

Die niedrigschwellige Rotlichttherapie (RLRL) gilt als vielversprechender Ansatz zur Myopiekontrolle bei Kindern und Jugendlichen, doch aktuelle Studiendaten werfen Fragen zur retinalen Sicherheit auf. Berichte über strukturelle Veränderungen der Netzhaut nach wiederholter Anwendung mahnen zur Vorsicht. Augenärztinnen und Augenärzte sollten den aktuellen Evidenzstand kennen und Patientenfamilien differenziert beraten.

Rotlichttherapie zur Myopiekontrolle: Was neue Sicherheitsdaten bedeuten

Hintergrund: Rotlichttherapie als Myopie-Intervention

Die repetitive niedrigschwellige Rotlichttherapie hat in den vergangenen Jahren, insbesondere aus dem asiatischen Raum, zunehmend Aufmerksamkeit erhalten. Das Prinzip beruht auf der täglichen Anwendung eines fokussierten Rotlichtstrahls im Wellenlängenbereich um 650 Nanometer über spezielle Handgeräte. Klinische Studien, vorwiegend aus China, berichteten von einer deutlichen Verlangsamung der axialen Längenzunahme des Auges sowie einer Reduktion der Myopie-Progression bei schulpflichtigen Kindern. Diese Ergebnisse sorgten international für Interesse und führten dazu, dass entsprechende Geräte in mehreren Ländern bereits kommerziell vertrieben werden, teils ohne regulatorische Zulassung als Medizinprodukt.

Neue Sicherheitssignale: Was die Datenlage zeigt

Neuere Publikationen und Fallberichte haben jedoch ein beunruhigendes Bild gezeichnet. Bei einem Teil der behandelten Kinder wurden nach regelmäßiger RLRL-Anwendung strukturelle Veränderungen in der Makularegion beschrieben, darunter Auffälligkeiten im optischen Kohärenztomografiebefund (OCT) sowie in der Fundusautofluoreszenz. In einigen Fällen wurde von einer verminderten Sehschärfe berichtet, die zumindest teilweise reversibel erschien, in anderen Fällen jedoch persistierte. Diskutiert werden phototoxische Effekte auf retinale Pigmentepithelzellen sowie auf Photorezeptoren, die durch kumulative Lichtexposition entstehen könnten.

Besonders relevant ist, dass diese Veränderungen nicht zwingend mit subjektiven Beschwerden einhergehen und somit ohne gezielte ophthalmologische Kontrolle unentdeckt bleiben können. Die bisherige Studienlage basiert zudem überwiegend auf kurzen Beobachtungszeiträumen, sodass Langzeitfolgen einer regelmäßigen Exposition noch nicht abschließend beurteilt werden können.

Regulatorische und klinische Einordnung

In Deutschland und der EU unterliegen Medizinprodukte der Klasse IIa oder höher einer CE-Zertifizierung und klinischen Bewertung nach der Medizinprodukteverordnung (MDR). Viele der aktuell im Internet oder über internationale Händler verfügbaren RLRL-Geräte erfüllen diese Anforderungen nicht oder sind explizit nicht für den medizinischen Einsatz zugelassen. Fachgesellschaften wie die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) und der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA) haben bislang keine generelle Empfehlung für die RLRL im Rahmen der Myopiekontrolle ausgesprochen.

Demgegenüber stehen etablierte und evidenzbasierte Optionen zur Myopiekontrolle, insbesondere Orthokeratologie, Mehrstärken-Weichlinsen sowie niedrig dosiertes Atropin, für die ein günstigeres Sicherheitsprofil und robustere Langzeitdaten vorliegen.

Empfehlungen für die augenärztliche Praxis

Augenärztinnen und Augenärzte werden zunehmend von Eltern auf die Rotlichttherapie angesprochen, nicht zuletzt wegen der einfachen Handhabung und der Darstellung in sozialen Medien. Eine sachliche, informierte Beratung ist daher essenziell. Folgende Punkte sollten in der Praxis beachtet werden:

  • Kinder unter RLRL-Therapie benötigen engmaschige ophthalmologische Kontrollen, einschließlich OCT und Fundusuntersuchung.
  • Eltern sollten über das Fehlen langfristiger Sicherheitsdaten und das Risiko asymptomatischer Netzhautveränderungen aufgeklärt werden.
  • Der Einsatz nicht zugelassener Geräte sollte klar kommuniziert und dokumentiert werden.
  • Die Therapieentscheidung sollte immer im Kontext der individuellen Myopie-Progressionsrate und der verfügbaren Alternativen getroffen werden.

Fazit

Die Rotlichttherapie ist kein etabliertes Verfahren zur Myopiekontrolle im europäischen Versorgungskontext. Die aktuellen Sicherheitsdaten rechtfertigen erhöhte Wachsamkeit. Bis belastbare Langzeitstudien und regulatorisch geprüfte Geräte vorliegen, bleibt der routinemäßige Einsatz außerhalb klinischer Studien kritisch zu bewerten.

Quellen

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