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VIVOS von Geuder: Integrierte Plattform für Vorder- und Hinterabschnitt-Chirurgie
Mit der VIVOS-Plattform präsentiert Geuder AG ein integriertes ophthalmochirurgisches System, das erstmals Vorderabschnitt- und Hinterabschnitt-Chirurgie auf einer gemeinsamen Hardwarebasis vereint. Das modulare Konzept soll Operationsabläufe straffen, Rüstzeiten reduzieren und die Flexibilität im OP-Alltag erhöhen. Für Kliniken und ambulante Operationszentren könnte die Plattform eine wirtschaftlich und medizinisch relevante Alternative zu getrennten Gerätesystemen darstellen.

Hintergrund: Der Wunsch nach Integration
In der modernen Augenchirurgie werden Vorderabschnitt-Eingriffe, etwa Kataraktoperationen und korneale Transplantationen, sowie Hinterabschnitt-Eingriffe wie Vitrektomien traditionell mit separaten Geräte-Setups durchgeführt. Das bedeutet in der Praxis: unterschiedliche Konsolen, unterschiedliche Schlauchsysteme, getrennte Einlernkurven für das OP-Personal und erhöhter Platzbedarf im Eingriffsraum. Genau hier setzt die VIVOS-Plattform der Geuder AG an, einem deutschen Medizintechnikhersteller mit langjähriger Erfahrung in der Ophthalmochirurgie.
Technisches Konzept: Eine Konsole, zwei Disziplinen
Das Kernprinzip von VIVOS ist die Konvergenz beider chirurgischer Domänen auf einer einzigen, modular aufgebauten Plattform. Für den Vorderabschnitt stellt das System Phakoemulsifikation mit präziser Fluidiksteuerung bereit. Für den Hinterabschnitt deckt es Kernfunktionen der Pars-plana-Vitrektomie ab, einschließlich Schneidrate-Steuerung, Beleuchtungsmanagement und Endotamponade-Optionen.
Die Fluidik gilt bei beiden Anwendungsgebieten als kritische Größe. VIVOS soll laut Herstellerangaben durch eine adaptive Druckregelung stabile intraokulare Druckverhältnisse gewährleisten, unabhängig davon, in welchem Modus das Gerät betrieben wird. Die zentrale Steuereinheit, das Touchscreen-Interface und die Pedaleinheit sind für beide Modalitäten ausgelegt und müssen nicht gewechselt werden.
Modularer Aufbau als strategischer Vorteil
Die Modularität erlaubt es Einrichtungen, das System schrittweise auszubauen. Ein ophthalmochirurgisches Zentrum, das primär Kataraktchirurgie betreibt, kann mit dem Vorderabschnitt-Modul beginnen und das Hinterabschnitt-Modul zu einem späteren Zeitpunkt ergänzen. Dieser Ansatz verteilt Investitionskosten und vermindert das finanzielle Risiko bei der Systemeinführung.
Für kombinierte Chirurgie, zum Beispiel simultane Kataraktextraktion und Vitrektomie bei Patienten mit dichter Linse und Glaskörperpathologie, könnte die nahtlose Umschaltung zwischen den Modi einen messbaren Zeitvorteil im OP bringen. Auch für kleinere Kliniken, die beide Disziplinen vorhalten möchten, ohne doppelte Geräteinvestitionen tätigen zu müssen, erscheint das Konzept attraktiv.
Bedienungsphilosophie und Lernkurve
Geuder legt nach eigenen Angaben Wert auf eine einheitliche Bedienlogik über beide chirurgische Modi hinweg. Eine konsistente Benutzeroberfläche reduziert Fehlbedienungen, die beim Wechsel zwischen Systemen verschiedener Hersteller entstehen können. Für OP-Pflege und Anästhesiepersonal bedeutet ein einheitliches System darüber hinaus weniger unterschiedliche Gerätetypen im Qualitätsmanagement und in der Gerätedokumentation.
Fachgesellschaften und Zertifizierungsstellen betonen regelmäßig die Relevanz standardisierter Einarbeitungsprozesse für die Patientensicherheit. Ein konsolidiertes System kann hier einen strukturellen Beitrag leisten.
Einordnung und Ausblick
Die Integration von Vorder- und Hinterabschnitt-Chirurgie auf einer Plattform ist kein Selbstzweck, sondern antwortet auf reale Engpässe in der ophthalmochirurgischen Versorgung: knappe OP-Kapazitäten, steigende Fallzahlen durch demografischen Wandel und wirtschaftlicher Druck auf Kliniken und MVZ. VIVOS positioniert sich in diesem Umfeld als Effizienzlösung.
Ob die klinischen Ergebnisse in Phako-Performance und Vitrektomie-Qualität mit spezialisierten Einzelsystemen konkurrieren können, wird die praktische Anwendung und unabhängige klinische Evaluation zeigen müssen. Erste Anwendererfahrungen aus Referenzzentren werden erwartet und dürften für die Kaufentscheidung vieler Einrichtungen maßgeblich sein.
Quellen
- Geuder AG Produktdokumentation und Pressemitteilungen (Hersteller, zur redaktionellen Prüfung)
- DOG (Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft): Stellungnahmen und Leitlinien zu ophthalmochirurgischen Standards
- BVA (Berufsverband der Augenärzte Deutschlands): Praxisorganisation und Geräteempfehlungen
- Deutsches Ärzteblatt / Klinisches Monatsblatt für Augenheilkunde: Fachpublikationen zu chirurgischen Plattformsystemen
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